EZV - eine lange Tradition

Etwa um die Jahrhundertwende (1900) verbreitete sich die elektrische Stromversorgung auch über die Landgemeinden. Jeder größere und kleinere Ort musste sich dabei selbst um die Versorgung seiner Bürger und der örtlichen Firmen kümmern. Der Ausbau der Stromversorgung brachte viel Arbeit und Kosten mit sich; Aufgaben, die in den verschiedenen Gemeinden unterschiedlich gelöst wurden. Die Wirren der beiden Weltkriege vereinfachten diese Aufgaben auch nicht gerade. Doch die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg brachte vielerorts die Erkenntnis, dass größere Gemeinschaften den großen Aufgaben besser gewachsen sind als kleinere.

Die Stadt Wörth und die Gemeinde Erlenbach, die schon seit den 20er Jahren durch einen Konzessionsvertrag in Sachen Stromversorgung verbunden waren, beschlossen nach harten Verhandlungen unter Federführung des Überlandwerkes die Bildung eines Zweckverbandes. Kurz nach dem Krieg hatte die Gemeinde Erlenbach beschlossen, aus dem Konzessionsvertrag auszusteigen und die Stromversorgung selbst in die Hand zu nehmen, die bis dato von der (damals noch deutlich) größeren Stadt Wörth geleitet wurde. Erst durch die Vermittlung des Überlandwerkes einigte man sich schließlich, denn auch damals bereits lagen die Vorteile eines gemeinsamen Handelns auf der Hand.

Gegen Ende 1952 fiel in den Ratsgremien beider Orte die Entscheidung zugunsten eines Verbandes, der dann am 30.3.1953 in einer gemeinsamen Sitzung der Räte von Erlenbach und Wörth offiziell ins Leben gerufen wurde. Das Landratsamt in Obernburg erteilte dem Energiezweckverband Wörth/ Erlenbach am 27.5.1953 die rechtsaufsichtliche Genehmigung. Am 1.10.1953 nahm der EZV seine Arbeit auf.

Stromlieferant war das Überlandwerk Unterfranken, dem alle Hochspannungsanlagen übereignet wurden. Hauptaufgabe des neuen Verbandes war die Instandsetzung und der weitere Ausbau des Niederspannungsnetzes. Anfang der 50er Jahre setzte eine Elektrifizierungswelle ein. Elektrische Haushaltsgeräte kamen in großer Zahl zu erschwinglichen Preisen auf den Markt. Der Strombedarf in den Haushalten und in den Firmen stieg enorm.

Die Versorgungsnetze des EZV in Wörth und Erlenbach mussten ständig ausgebaut und erweitert werden. In rascher Folge entstanden neue Transformatorenstationen in beiden Orten. Hatte Erlenbach im Jahr 1956 genau 2 Trafostationen, waren es in Wörth immerhin schon 5. 1961 gab es in Erlenbach bereits 7 Stationen, in Wörth sogar 8. Also mehr als eine Verdopplung in knapp 4 Jahren!

In den Anfangsjahren war der Verband im Wörther Rathaus untergebracht. Zwar war der EZV verwaltungstechnisch von Beginn an völlig unabhängig von der Stadt, aber die gerade ’mal zwei Mitarbeiter hatten keinen großen Platzbedarf. Für die Büroarbeiten war der Geschäftsführer Georg Gola ganz alleine zuständig. Um die Außenarbeiten kümmerte sich ein Werkmeister, dem später noch ein Lehrling beigestellt wurde. Das änderte sich aber bald. Anfang 1954 übernahm Karl Christel aus Erlenbach die Geschäftsführung. Im neu gebauten Bauhof beim Erlenbacher Rathaus wurden Räume angemietet und eine eigene Arbeitskolonne für Erlenbach aufgestellt. Mit der Blütezeit der ”Glanzstoff” wuchs Erlenbach in jenen Jahren rasant.

1955 wurde das erste firmeneigene Fahrzeug angeschafft. Bei den stets wachsenden Entfernungen wurde der Handwagenbetrieb zu unwirtschaftlich; also kaufte der EZV einen kleinen LKW. Ein Jahr später wurde das gleiche Fahrzeug auch für die Erlenbacher Kolonne gekauft. Der Personalstand des EZV war bis Ende 1960 schon auf 15 Mitarbeiter angewachsen. Um den Stromverbrauch zu fördern begann der EZV ab Ende 1957 mit dem Großhandel von Elektro-Haushaltsgeräten. Alle Elektrofirmen des Verbandsgebietes wurden beliefert und in vielen Veranstaltungen fachkundig gemacht. Dieser Geschäftszweig entwickelte sich in den Folgejahren immer mehr.

Natürlich galt dem Netzausbau und der Netzunterhaltung aber stets das Hauptaugenmerk. Bis Ende des Jahres 1960 war die Vollelektrifizierung der Haushalte beider Gemeinden praktisch abgeschlossen. Der Stromverbrauch in beiden Städten stieg rasant. Im Jahr 1923 beispielsweise betrug der Verbrauch in Wörth rund 70.500 und in Erlenbach rund 4.500 kWh. Damals war Erlenbach eben auch noch sehr viel kleiner. Im Jahr 1960 betrug der Stromverbrauch in Wörth ca. 1.717.000 und in Erlenbach bereits ca. 1.957.500 kWh, also ca. das 430fache!

Die erfolgreiche Arbeit des EZV blieb nicht ohne ”Außenwirkung”, weitere Orte sahen den Vorteil der Zusammenarbeit: 1964 schließt sich die damals noch selbständige Gemeinde Eisenbach dem Verband an. Der Stromverbrauch stieg weiterhin stark. 1971 wurde vom EZV insgesamt 16,4 Mio. kWh an die Verbandsgemeinden geliefert. Also wiederum eine Steigerung auf das 4,5- fache des zehn Jahre vorher gemessenen Wertes!

Ab 1973 beginnt sich das Bewusstsein durchzusetzen, dass rohöl-basierte Energie nicht unendlich ist. Auf Grund der Rohölpreissteigerung werden in den westlichen Ländern weitreichende Energiesparmaßnahmen eingeführt. Auf die ”Ölkrise” reagierte Deutschland beispielsweise mit vier ”autofreien Sonntagen” im November und Dezember des Jahres 1973. Um die Geschäftsbasis zu erweitern beteiligte sich der EZV an der Bayerischen Untermaingas GmbH (BUG), der heutigen Gasversorgung Unterfranken (gasuf).

Die mittleren 70er Jahre sind geprägt von vielen Veränderungen. Allgemein ist es die Zeit des Ausbaus des Erdverkabelungsnetzes und des Abbaus der Freileitungen. Die Stromkabel, die sich wie Spinnenfäden von Dach zu Dach zogen, verschwinden im Bild der Städte. In Eisenbach werden mehrere Neubaugebiete erschlossen (”Hardt”, ”Am Lauterbach”, ”Kurzer Berg”), beim EZV beginnt, wie in vielen anderen Unternehmen und Institutionen, das Zeitalter der Elektronischen Datenverarbeitung und es kommen neue Leiter: Rudolf Schreck für den kaufmännischen und Erhard Stoy für den technischen Bereich.

Die Energiesparmaßnahmen jener Zeit sind noch nicht sonderlich effektiv. Sie gehen einher mit der weiterhin stark zunehmenden Technisierung und Modernisierung der 80er Jahre. Im Jahr 1981 liefert der EZV insgesamt 26,9 Mio kWh Strom an seine Kunden, also wieder fast eine Verdoppelung des Bedarfs in der letzten Dekade. 1984 werden in Erlenbach zwei große Neubaugebiete erschlossen (”Hinterm See” und ”Im Flürchen”) mit insgesamt rund 500 Bauplätzen! Die Bebauung beginnt zügig, die Stadt wächst entsprechend. Gegen Ende des Jahrzehnts ist die Verkabelung des 20-kV-Netzes in Erlenbach und Wörth abgeschlossen.

1992 wird ein Wert von 38,8 Mio kWh verbrauchten Stroms gemessen. Der Bedarf steigt also weiter. In der Leitung des EZV findet wieder ein Generationenwechsel statt: Norbert Berres wird zum kaufmännischen Leiter und Geschäftsführer des Verbands berufen. Eine wichtige Maßnahme im 40-jährigen Jubiläumsjahr des EZV war beispielsweise die große Mittelspannungsschaltanlage an der Berliner Straße in Erlenbach. Zur Verbindung der links- und rechtsmainischen Gebiete fand 1996 eine lange geplante Maßnahme statt: die Dükerung des Mains. Etwa 100 m nördlich der Bahnbrücke zwischen Erlenbach und Wörth unterquert nun der Düker den Fluss. Ebenfalls in diesem Jahr wurde die Einbindung Eisenbachs (das seit 1978 ein Stadtteil Obernburg ist) in das 20 kV-Netz abgeschlossen.

1997/98 waren einschneidende Jahre der Firmengeschichte. Das längst viel zu kleine Gebäude der Betriebsstelle Wörth wurde abgerissen und an gleicher Stelle ein repräsentatives Gebäude erstellt, das sowohl dem technischen Betrieb als auch der Verwaltung genügend Platz bot und bietet. Die Einweihung war am 13. November 1998. Im gleichen Jahr wurde mit der Stadt Klingenberg ein Kooperationsvertrag geschlossen, der dem EZV die technische Betriebsführung im Bereich Strom der Stadtwerke Klingenberg übertrug. 1999 übernimmt Jürgen Hahn als neuer Leiter die technische Betriebsführung des EZV. Im gleichen Jahr wird aus dem Verband die ”EZV Energie und Service GmbH Untermain”. An dem neu formierten Unternehmen sind die Verbandsstädte Wörth, Erlenbach und Obernburg sowie das Überlandwerk Unterfranken (ÜWU) beteiligt.

Der EZV hat inzwischen 17 feste Mitarbeiter und rund 11.000 Kunden! Eine große Zahl der Mitarbeiter stammt aus ”eigenem” Nachwuchs, denn seit der Gründung im Jahr 1953 wird beim EZV konsequent ausgebildet!

Im Jahr 2000 erfolgt die Integration der Netze und Kunden des gesamten Stadtgebiets Obernburg und der Erlenbacher Stadtteile Mechenhard und Streit. Damit sind nun alle drei EZV-Städte in vollem Umfang Mitglieder des Verbands. Der Strombedarf vergrößerte sich entsprechend auf 72,1 Mio kWh im Jahr 2001, also wieder fast eine Verdoppelung in der letzten Dekade.

Bis zum Jahr 2011 erhöhte sich der Strombedarf auf 74,9 Mio kWh. Es gab also eine nur noch geringfügige Steigerung in der letzten Dekade, eine logische Folge stagnierender Bevölkerungszahlen und energie-effizienterer Geräte. Auch macht sich hier das spätestens seit der Jahrtausendwende stark gestiegene Umweltbewusstsein der Bürger bemerkbar.

Ab 2006 beginnt der EZV mit zusätzlichen Dienstleistungen für seine Kunden, wie z.B. Breitband- und Telefonverkabelungen. Im Jahr 2012 wird dann dieses Know How konsequent für den Bereich der Internetversorgung genutzt. Ein Jahr vorher hatten die Gremien der EZV-Städte beschlossen, die Versorgung mit schnellem Internet selbst in die Hand zu nehmen, da die bundesweiten Anbieter an unserer Region kein Interesse zeigten. Der EZV wurde als geeignete ”ausführende Instanz” damit beauftragt. Ein Glasfaserkabelnetz entstand, zunächst in den ”unterversorgten” Gebieten der Verbandskommunen. Die Mannschaft des EZV ist zwischenzeitlich auf 21 feste Mitarbeiter angewachsen.

Zum Ende des 60jährigen Jubiläumsjahres 2013 wurde das Glasfasernetz auf den gesamten Einzugsbereich ausgedehnt (bis auf Teile Obernburgs). Der EZV versorgt von da an die Bürger der drei Städte nicht nur mit elektrischem Strom, sondern als DSL-Anbieter auch mit superschnellem Internet mit gewaltigen Downloadraten von 50.000 Kbit/s!

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